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Isabel Abedi Biografie

Auch im Loewe Verlag gibt es eine Presse Abteilung. Dieses Interview führte Dominik Nüse.

Frau Abedi, bevor Sie angefangen haben, Bücher für Kinder zu schreiben, haben Sie in einer Werbeagentur als Texterin gearbeitet. Was hat Sie dazu gebracht, diesen Job aufzugeben?

Mein Wunsch, nicht länger zu „texten“, sondern: zu schreiben! Eigentlich habe ich auch in der Werbeagentur am liebsten Geschichten geschrieben: Kleine Minimärchen für die Rückseiten der Sarotti Schokoladentafeln zum Beispiel, und später ein Buch voller Geschichten für die Marke Montblanc, die mit ihren Füllfederhaltern ja auch aus der Welt des Schreibens kommt.

Als vor elf Jahren meine Tochter Sofia geboren wurde, tauchte ich wieder in die Welt der Bilderbücher ein, mit denen mich vor allem meine Mutter, selbst ehemalige Werbetexterin und inzwischen Buchhändlerin, versorgte. Da wurde mir ganz klar: ich möchte meiner Tochter auch Bücher vorlesen, die ich selbst geschrieben habe.

Und ich hatte großes Glück: Meine ersten Bilderbücher, „Das 99. Schaf“ und „Blöde Ziege, Dumme Gans“ wurden veröffentlicht und so erfolgreich, dass sie mir weitere Türen öffneten.

Als mich ein Jahr später der Loewe-Verlag, fragte, ob ich mir vorstellen könnte, eine Mädchenserie zu schreiben, wurde Lola geboren – und mit ihrer Hilfe konnte ich meinen Beruf als Werbetexterin endgültig aufgeben und mir meinen Traum erfüllen.

Inzwischen schreiben Sie sowohl Kinder- als auch Jugendbücher. Wissen Sie schon von Anfang an, ob das Buch, das gerade am Entstehen ist, ein Kinder- oder ein Jugendbuch wird – oder kristallisiert sich das erst im Schreibprozess?

Das weiß ich von Anfang an. Zusammen mit der Idee für eine Geschichte, entstehen in mir auch die Figuren. Lola ist ein Kind und wird deshalb sicher auch am liebsten von Kindern gelesen, während Noa aus Whisper eine Jugendliche ist und daher vor allem die jugendlichen Leser anspricht.

Was sind die Unterschiede zwischen Kinder- und Jugendbüchern?

Auch hier sage ich spontan: die Figuren.

Aber da ist noch etwas. Ich glaube, der Übergang vom Kind zum Jugendlichen ist ein sehr viel beschwerlicherer, tiefer greifender, als der vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Ein Jugendlicher schwebt bereits zwischen den Welten, die ein Kind noch zu durchschreiten hat.

Deshalb ist für mich die Grenze zwischen Jugendbuch und Erwachsenenbuch auch eine schwebende.

Im Jugendbuch ist im Grunde all das möglich, was auch für das Erwachsenenbuch gilt – nur: die Hauptfiguren sollten Jugendliche sein.

Wie kommen Sie auf Ihre Hauptfiguren? Tragen sie Züge Ihrer Mitmenschen oder fallen sie Ihnen im Schlaf ein?

Die Figuren kommen zu mir, anfangs wie vage Traumgestalten in einer Art Wachtraum. Und dann wachsen sie, erhalten ein Gesicht, einen Körper und natürlich Eigenschaften. Ich gehe da immer sehr intuitiv vor, im Grunde führe ich über viele Monate ein leises Gespräch mit meinen Figuren, stelle ihnen Fragen und horche auf ihre Antworten. Wenn sich dadurch Züge herauskristallisieren, die ich auch von meinen Mitmenschen oder mir selbst kenne, ist das am Ende eher eine Überraschung. Das Wichtigste an einer Figur ist für mich jedoch der Name. Erst wenn ich den Namen habe, stimmt die Figur.

Gibt es für Sie literarische Vorbilder, an denen Sie sich in Ihrer Anfangszeit orientiert haben?

Es gibt viele, wunderbare Schriftsteller, die ich liebe und die mich ganz sicher auch beeinflusst haben, aber ich sehe sie eigentlich nicht als Vorbilder – sonst wäre ich ja ein Nachbild! Woran ich mich, vor allem in meiner Anfangszeit jedoch ganz stark orientiert habe, sind Techniken. Was schreibt man einen lebendigen Dialog? Wie funktionieren Erzählperspektiven? Wodurch entsteht Atmosphäre? Diese Dinge habe ich von Schriftstellern gelernt, deren Bücher ich selbst gerne lese. Und zum Glück kenne ich manche dieser Schriftsteller mittlerweile persönlich und kann mich mit ihnen austauschen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es vor allem in Österreich die schöne Tradition, dass Autoren ihre Bücher in ganz bestimmten Cafés schreiben. Und auch Sie verbringen sehr viel Zeit in einem bestimmten Hamburger Café. Was macht für Sie die Atmosphäre eines Cafés aus? Inspiriert Sie dieser Ort? Bekommen Sie dort Ihre Ideen?

Meine Ideen fliegen mich an, oft in der Badewanne, in der Natur oder bei meiner Lieblingsbeschäftigung: dem Fahrradfahren.

Aber mich inspiriert das Schreiben im Café, ganz besonders im Literaturcafé Mathilde in Hamburg, wo viele meiner Bücher entstanden sind. Das ist eine herrliche Mischung aus Ruhe und Bewegung, obwohl ich mittlerweile „nach nebenan“ gezogen bin: ich teile mir das Büro des Cafés mit den Betreibern, und wenn ich Lust auf einen Milchkaffee habe, ist der Weg nicht weit!

Wie können wir uns Ihren Schreiballtag ausmalen? Ist er eher geregelt oder schreiben Sie nur, wenn es Ihnen danach ist.

Diese Frage stellen Sie einer Mutter: Ich verlasse das Haus zusammen mit meiner Tochter. Sie geht zur Schule, ich gehe zur Arbeit – und bemühe mich nach Kräften rechtzeitig zum Mittagessen zurück zu sein, was mir leider nicht immer gelingt.

Gibt es bestimmte Rituale während Ihres Schreibens?

Oh ja! Für die großen Bücher habe ich immer „eine Wand.“ Die besteht aus Zitaten, Photografien und angesammelten Accessoires, die zu meiner Geschichte passen. Ein weiteres Lieblingsritual sind meine täglichen Emails nach München – an meine Freundin und Kollegin Sylvia Englert, die aus meinem Leben mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist.

Sie schreiben nicht nur sehr viel, sondern präsentieren Ihre Bücher oft auf Lesereisen. Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt mit den Kindern bzw. Jugendlichen?

Ganz wichtig. Hier erhalte ich die unmittelbare und immer ehrliche Resonanz auf meine Bücher. Die schönsten Momente auf Lesereisen sind immer die, wenn es im Publikum so still wird, dass ich flüstern kann.