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Isabel Abedi Biografie

DIE NACHT DER FANTASY  - unter diesem Motto versammeln Monika Trapp und Jürgen Jansen jedes Jahr eine Reihe von Fantasy Autoren und Autorinnen zu einem magischen Lesefestival in das Naturschutzgebiet in Flöhrsheim. Unter freiem Himmel und vor hunderten von Zuhörern lesen wir aus unseren Büchern. Im Sommer 2006 interviewte mich dort die Journalistin Sonja Müller.

Fantasynacht in Flöhrsheim

Ein schriller Schrei hallt über den Platz. Die Zuschauer zucken zusammen. Auf der Bühne sitzt Isabel Abedi und beweist schauspielerisches Talent. Sie liest aus Unter der Geisterbahn, ihrem ersten phantastischen Kinderbuch und lässt die Urhexe Orkula und andere zentrale Figuren des Romans mit ihrer Stimme lebendig werden. Im Anschluss an die Lesung treffe ich Isabel Abedi zu einem Gespräch. Offen erzählt sie über den Alltag als Autorin und ihren Schreibprozess.

Vor Isabel Abedis Erfolg als Autorin liegen dreizehn Berufsjahre in einer Werbeagentur. Schon damals habe sie am liebsten Geschichten erzählt, sagt sie. „Ich habe Märchen für die Rückseiten von Sarotti-Tafeln geschrieben, und ich habe sehr lange für die Marke Montblanc gearbeitet, die sich ja auch ums Schreiben rankt. Schon in der Werbung war ich eigentlich immer die Märchentante…“, meint Abedi rückblickend über diese Zeit.

Der Jugendroman Imago war ihr erstes, umfangreicheres Buch, das ihr noch heute sehr am Herzen liegt. Der durchbrechende Erfolg kam dann mit der Lola. Die Lola ist vielen weiblichen Lesern mittlerweile ans Herz gewachsen und die Bücher sind zu Lieblingsbüchern geworden. Ihre eigenen Lieblingsgeschichten, erzählt Abedi, seien auch immer solche gewesen, in denen sie „einfach die Figuren lieb gewonnen habe. Und das sind meistens Figuren, die ich durch einen Prozess in ihrem Leben begleitet habe.“

Ich muss mein Haus verlassen und arbeiten
Ich frage Isabel Abedi, inwieweit sich ihr Alltag als Schriftstellerin von dem ihrer früheren Berufstätigkeit unterscheidet, und sie erzählt, dass sie zum Schreiben auf jeden Fall das Haus verlassen muss. Wenn ihre jüngere Tochter in der Schule ist, geht Abedi in ein eigenes Büro, das zum Literaturcafé Mathilde in Hamburg gehört. Früher habe sie immer unten im Cafe geschrieben, erzählt sie bereitwillig. Auch „Whisper“ sei hier entstanden. Mittlerweile hat sie dort aber einen eigenen Raum. Der sähe aber gar nicht nach einem Büro aus, gesteht Abedi lachend. Denn das Büro „hat einen großen roten Teppich, viele Bücher und viele kleine Accessoires. Ich hab für jedes meiner Romane eine Wand, mit Fotos, Sprüchen, kleinen Souvenirs, allen möglichen Dingen um das Schreiben herum. Und meine Tochter schenkt mir zu jedem Buch immer alle möglichen Glücksbringer, die sich dann auf meinem Schreibtisch gruppieren.“ Am liebsten arbeitet Abedi vormittags. „Ich bin ein Morgenarbeiter“, sagt sie. „Nachmittags höre ich in aller Regel mit dem Schreiben auf.“

Naivität ist ein typischer Wesenszug von mir
Isabel Abedi schreibt nur für Kinder- und Jugendliche. Darauf angesprochen, gerät sie ins Stocken. „Das ist etwas“, sagt sie, „das kann ich kaum rational begründen, das ist etwas ganz Intuitives. Ich glaube“, erklärt Abedi weiter, „dass ich diese Form der Sprache mag. Und ich glaube auch, dass ganz besonders im Kinderbuch bestimmte Dinge funktionieren, die im Erwachsenenbuch so nicht mehr funktionieren.“ Dazu gehört nach Abedis Ansicht eine eher naive, optimistische Grundhaltung. „Ich finde Naivität ist ein schöner Wesenszug, oft auch ein schmerzhafter. Ich glaube, das ist ein typischer Wesenszug von mir.“ Der Reiz insbesondere für Kinder und Jugendliche zu schreiben, das hat für Isabel Abedi viel damit zu tun, von Dingen erzählen zu können, die ein Kind oder ein Jugendlicher erstmals erlebt. „Ein Jugendlicher entdeckt und erlebt viele Dinge, die ein Erwachsener schon kennt, und die ein Erwachsener ganz anders und vielleicht auch mit mehr Resignation beurteilt. Ich glaube, ich bin nicht resigniert und ich denke, das ist so etwas, was insbesondere die Kinderliteratur ausmacht.“

Ich möchte meine Geschichte erzählen
Abedi will mit ihren Texten keine Botschaften vermitteln, sondern sie will erzählen: „Ich möchte meine Geschichte erzählen. Ich freue mich, wenn ein Kind das nachher gerne liest, aber dahinter ist keine Absicht. Wenn die Figuren zwei zehnjährige Kinder sind, dann stehe ich im Dienste dieser zehnjährigen Kinder. Aber ich sehe nicht das Publikum vor mir. Ob das dann Zehnjährige lesen,… das glaube ich natürlich, und ich stelle mir vorher auch die Frage: Ist das spannend? Hat das Hand und Fuß? Will das jemand wissen? Aber beim Schreiben vergesse ich das eigentlich. In dieser Hinsicht würde ich sagen, dass ich sehr egoistisch bin. Ich möchte meine Geschichte erzählen.“

Es gibt manchmal einen Moment, wo es schwerer wird zu erzählen
„Die Geschichten und auch die Figuren sind erst mal sehr schatten- und schemenhaft“, erzählt Isabel Abedi über den Prozess des Schreibens. „Dann stürze ich mich aber sehr in die Figuren rein. Bevor ich also anfange, die Geschichte zu schreiben, habe ich mich so intensiv mit den Figuren beschäftigt, dass die mich dann durch die Geschichte tragen. In fast jedem Roman kommt ein Moment, wo das Erzählen schwerer wird, wo Zweifel auftauchen und das Buch für mich eine echte Herausforderung wird. Und dann sind es immer die Figuren, die mich an die Hand nehmen und mir den Weg zeigen. Also je besser ich meine Figuren kenne, desto besser kann ich mich von ihnen durch die Geschichte führen lassen. Denn ich möchte, wenn ich die Figuren erschaffe, auch für sie die Geschichte zu Ende erzählen.“ Bei Der verbotenen Welt habe ich das an schwierigen Stellen ganz stark so erlebt. Die Figuren waren Kinder. Das Schreiben war dann für mich, wie jemandem zuhören. Dann gilt es, bis zum Ende zuzuhören. Für mich ist meine eigenen Geschichten schreiben auch ein Zuhören und bis zum Ende gehen. Wenn das dann hinterher rund wird, dann freu ich mich darüber….“

Fantasynacht in Flöhrsheim

Während unseres Interviews haben sich einige junge Leserinnen und Leser auf leisen Sohlen herangeschlichen und interessiert zugehört. Nun wollen wir sie nicht noch länger warten lassen. Ich danke Isabel Abedi für das nette und informative Gespräch. Dann wendet diese sich freundlich den Schlangestehenden zu und gibt ihnen geduldig die heiß ersehnten Autogramme.

Sonja Müller